Die jüngsten Aussagen der Geschäftsführung der Tiroler Sozialen Dienste (TSD) und die aktuelle Berichterstattung über die erschütternden Zustände für die MitarbeiterInnen in der Innsbrucker Notschlafstelle am Schusterbergweg lassen tief blicken. Dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter künftig mit stichfesten Westen und stichfesten Handschuhen ausgestattet werden sollen, ist aus Sicht von Das Neue Innsbruck ein alarmierendes Zeichen und gleichzeitig die fassungslos machende Dokumentation des politischen Versagens der Verantwortlichen in TSD und Land.
„Wir sind entsetzt über die Zustände. Wenn eine Einrichtung, die Schutz und Hilfe bieten soll, ihre Mitarbeitenden nur noch mit stichfesten Westen auszustatten weiß, dann dokumentiert das die Dramatik und das Ausmaß des Problems. Stichfeste Westen sind kein Sicherheitskonzept, sondern ein Eingeständnis des Scheiterns“, erklären Klubobfrau Dr.in Birgit Winkel und Ersatzgemeinderätin Dr.in Renate Krammer-Stark.
Wieso gelangen Waffen in die Notunterkunft?
Besonders befremdlich ist, dass offenbar nicht einmal verhindert werden könne, dass Waffen oder andere gefährliche Gegenstände in die Unterkunft gelangen.
„Man muss sich das einmal vor Augen führen: Die Verantwortlichen schaffen es nicht, die Mitnahme gefährlicher Gegenstände wirksam zu verhindern, reagieren darauf aber mit Schutzwesten für die Mitarbeitenden. Bleibt zu hoffen, dass jene Körperteile, die von den Westen nicht geschtützt werden, nicht zum Ziel von Gewalt werden. Warum muss man auf eine Sicherheitsschleuse bis zum Neubau warten? Die Situation ist absurd und erschütternd zugleich“, so Winkel.
Was machen die Verantwortungsträger?
„Wo bleibt die Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern? Seit Monaten schlagen Beschäftigte Alarm. Hilferufe, die bei den politisch Verantwortlichen in Stadt und Land offenbar am liebsten unter den Teppich in den Büros gekehrt würden. Die aktuellen Aussagen der Geschäftsführung und die Medienberichte dokumentieren nicht die Lösung eines Problems, sondern dessen Eskalation. Wer erst handelt, wenn Stichschutzwesten und Bodycams notwendig werden, hat viel zu lange zugesehen und weggesehen“, so Krammer-Stark.
Stadtregierung schaut weiterhin weg
„Die Stadtregierung verschließt weiterhin die Augen und fühlt sich offenbar nicht einmal mehr moralisch zuständig. Dabei handelt es sich um Menschen, die sich in Innsbruck aufhalten und hier zumindest temporär leben. Die Sicherheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ebenso wie die der schutzsuchenden Personen geht auch die Stadt an und ist kein Thema, bei dem man einfach untertaucht“, so Winkel.
Situation dokumentiert ein Multiorganversagen
Aus Sicht von Das Neue Innsbruck zeigen die aktuellen Entwicklungen ein umfassendes Versagen mehrerer Ebenen.
„Man schafft es derzeit weder, den Schutz der Mitarbeiter noch die Sicherheit der Hilfesuchenden ausreichend zu gewährleisten. Die Zustände wirken mittlerweile wie ein Multiorganversagen von TSD und den politisch Verantwortlichen in Land und Stadt, die diese Entwicklung über Jahre zugelassen haben. Es braucht jetzt endlich konsequente Maßnahmen und eine ehrliche Aufarbeitung statt immer neuer Notlösungen, die keine Lösungen sind“, schließen Winkel und Krammer-Stark.
Medienbeitrag in der Tiroler Krone vom 12. Juni 2026 (S. 28-29)
