Wie das Freizeitticket nach Innsbruck kam. Ein kurzweiliger Blick in die Geschichte der Freizeit-Verbundkarten in Innsbruck und Tirol …

KO-Stv.in Gemeinderätin Mag.a Christine Oppitz-Plörer

Heute ist das Freizeitticket aus dem Alltag vieler Innsbrucker Familien nicht mehr wegzudenken. Bergbahnen, Schwimmbäder, Eislaufplätze und viele weitere Freizeitangebote 52 Wochen lang mit einer einzigen Karte nutzen zu können, erscheint heute selbstverständlich. Vor gut 20 Jahren war das noch ganz anders.

DAS Jahresticket war damals die Tirol Regio Card, die ausgehend vom Tiroler Oberland ein immer breiteres Freizeitangebot entwickelte. Die ganz großen Visionäre und Pioniere dieser Idee für die Tiroler Familien waren eindeutig Roland Reichmayr und Willi Krüger. Was anfangs durchaus belächelt wurde, entwickelte sich rasch zu einem attraktiven Angebot gerade auch für Familien – und strahlte immer stärker auch in den Tiroler Zentralraum aus. Viele Innsbrucker Familien nutzten diese Tirol Regio Card. Warum entschieden sich viele für die Oberländer Regionskarte?

Rund um Innsbruck war die Situation 2004 eine ganz andere. Hier standen bei den damals privaten Betreibern der Bergbahnen noch die klassischen Wintersaisonkarten und die Bergbahnen alleine im Mittelpunkt. Prägende Namen waren damals unter anderem Peter Schröcksnadel am Patscherkofel, die Familie Fröschl am Glungezer, private Investoren auf der Mutterer Alm oder die Familie Klier am Stubaier Gletscher. Die Nordkette stand vor einer umfassenden Sanierung. Das Angebot rund um Innsbruck war seinerzeit mehr auf den Winter konzentriert. Gleichzeitig wurde die Tirol Regio Card immer breiter aufgestellt für den Sommer und wurde dadurch auch für Menschen aus dem Zentralraum interessanter. Damit gewann sie auch im Raum Innsbruck zunehmend an Bedeutung.

Für mich als Familienstadträtin stellte sich 2005 deshalb eine einfache Frage: Warum sollte es nicht auch für Innsbrucker Familien ein attraktives und finanziell planbares Freizeitangebot für das ganze Jahr geben, das die Bergbahnen rund um Innsbruck anbieten können?

Ein ziemlich dickes Brett

Einfach war das nicht. Die Interessen der verschiedenen Bergbahnbetreiber und Kartenanbieter waren unterschiedlich und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit überschaubar. Es gab die Winter-Großraum Karte und das musste den Innsbruckern genügen. Tatsächlich? Ich begann dann gemeinsame Gespräche zu initiieren und zu führen – darunter eine für mich bald denkwürdige Verhandlungsrunde mit Peter Schröcksnadel und Willi Krüger am „runden Tisch“ – damals tatsächlich an meinem runden Büro-Glastisch im Rathaus. Und dieses Gespräch ist mir bis heute in Erinnerung geblieben.

Die jeweiligen Beschreibungen über die Ausstattung der Schigebiete der beiden Herren war legendär. Inhaltlich sind wir da nicht weitergekommen. Aber genau solche Gespräche zeigten mir auch: Auf direktem Weg würde dieses dicke Brett kaum zu bohren sein. Also brauchte es einen anderen Ansatz.

Mein Wunsch wäre damals sogar noch weiter gegangen: Warum sollte es nicht irgendwann überhaupt nur mehr eine gemeinsame Freizeitkarte für ganz Tirol geben?

Bewegung über die Innsbrucker Freizeiteinrichtungen

Eine wichtige Rolle spielten dabei die Innsbrucker Freizeiteinrichtungen. Tivoli, Baggersee und die Eislaufplätze der Olympia World würden ein Ganzjahresmodell auch für Familien im Zentralraum wesentlich interessanter machen.

Als ressortführende Familienstadträtin setzte ich mich deshalb dafür ein, diese Innsbrucker Freizeiteinrichtungen in die Tirol Regio Card einzubinden – weil die Innsbrucker Bahnen einfach keine Ganzjahreskarte forcierten. 2005 wurden dafür auch die entsprechenden politischen Beschlüsse in den städtischen Gremien gefasst. Die Aufnahme der Innsbrucker Sommer-Angebote in die Tirol Regio Card erhöhte deren Attraktivität im Zentralraum dann zusätzlich und brachte Bewegung in einen Markt, der rund um Innsbruck noch primär vom Winter und vom Skifahren geprägt war. Im Innsbruck informiert vom Oktober wurde darüber berichtet:

Die wirtschaftliche Entwicklung und der Abfluss von Geldern der Innsbrucker Familien in das Tiroler Oberland führten dann ab 2005 zu einem Umdenken. Ab 2006 entstand schließlich mit dem Freizeitticket Innsbruck ein eigenes Angebot. Gestartet wurde mit Patscherkofel, Mutterer Alm und Nordkette – als Wintersaisonkarte. Initiator Thomas Schroll und die beteiligten Bergbahnen entwickelten das Angebot in den folgenden Jahren Schritt für Schritt weiter. Immer mehr Skigebiete und Freizeiteinrichtungen kamen dazu und aus der Winterkarte entwickelte sich jene Ganzjahreskarte, die wir heute kennen.

Damit entstand auch ein intensiver Wettbewerb mit der Tirol Regio Card. Beide Verbünde bemühten sich um attraktive Partner und neue Angebote. Für die Kundinnen und Kunden hatte dieser Wettbewerb durchaus positive Seiten: Beide Karten wurden laufend weiterentwickelt und das Angebot immer breiter.

Fast wäre es 2012 dann gelungen: eine gemeinsame Tiroler Karte

Interessant ist aus heutiger Sicht, dass mein damaliger Wunsch nach einem gemeinsamen Angebot einige Jahre später beinahe Realität geworden wäre. 2012 wurde intensiv über eine mögliche Zusammenführung von Freizeitticket und Tirol Regio Card diskutiert. Roland Reichmayr auf Seiten der Regio Card und Thomas Schroll auf Seiten des Freizeittickets führten Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit bzw. Zusammenlegung der beiden Verbünde.

Zu einer Einigung kam es damals letztlich leider nicht. Unterschiedliche Interessen der Mitgliedsbetriebe, die Frage, welche Betriebe bei welchen Verbünden vertreten sein können, aber auch unterschiedliche technische Systeme machten eine gemeinsame Lösung schwierig. Am 13. Juli 2012 berichtete die TT, dass die Fusionspläne geplatzt seien:

Die Entwicklung ging damit also getrennt weiter. Das Freizeitticket konnte gerade im Großraum Innsbruck stark wachsen und sein Angebot massiv erweitern. Aus den drei Skigebieten der Anfangsjahre wurde nach und nach ein umfassendes Freizeitangebot für das ganze Jahr.

20 Jahre Freizeitticket – eine Idee, die geblieben ist

Wenn ich heute auf diese Entwicklung zurückblicke, bin ich dankbar, dass ich damals diesen Beitrag dazu leisten konnte, Bewegung in festgefahrene Strukturen zu bringen. Es beweist wieder einmal Nichts ist so stark  wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Viele Menschen, Bergbahnbetreiber, Unternehmen und politische Verantwortliche haben über die Jahre daran mitgewirkt, aus einer Wintersaisonkarte das heutige Freizeitticket zu machen.

Für mich war dabei immer der Gedanke entscheidend, der schon 2005 am Anfang meines Engagements stand: Familien und insbesondere Kindern und Jugendlichen ein möglichst breites, jahresdurchgängiges Freizeitangebot zu einem planbaren Preis zugänglich zu machen.

Dass daraus über die Jahre eine richtige Erfolgsgeschichte geworden ist und das Freizeitticket – übrigens jene Karte mit dem größten Freizeitangebot in ganz Österreich – nach 20 Jahren für viele Menschen kaum mehr wegzudenken ist, freut mich ganz besonders.

Und wer weiß: Vielleicht gelingt eines Tages doch noch der große Zusammenschluss zu einem gemeinsamen Tiroler Angebot. Und vielleicht finden sich auch bei den Zahlungsmodalitäten neue Wege, damit der doch beträchtliche Betrag nicht für alle auf einmal fällig werden muss. Gerade für Familien wäre das eine wichtige Weiterentwicklung.

Heute aber darf vor allem eines im Mittelpunkt stehen: 20 Jahre Freizeitticket und eine Erfolgsgeschichte, über die wir uns gemeinsam freuen können. Ich gratuliere allen, die diese Erfolgsgeschichte über die vergangenen 20 Jahre mitgestaltet haben – und stellvertretend ganz besonders Thomas Schroll. Herzlichen Glückwunsch zu 20 Jahren Freizeitticket!

GRin Mag.a Christine Oppitz-Plörer
Klubobfrau-Stellevertreterin