Vorkaufsrechte fallen: Leistbares Wohnen wird verspielt. Ein Kommentar von Stadtrat Mag. Markus Stoll.

Im Zusammenhang mit dem Konzept „leistbares Eigentum“ wurden in den vergangenen Jahren mehrere Wohnungen in Innsbruck angekauft, um auch Menschen mit durchschnittlichem Einkommen den Zugang zu Eigentum zu ermöglichen. Gleichzeitig sicherte sich die Stadt Innsbruck bei diesen Wohnungen unbefristete Vorkaufsrechte, um dauerhaft Einfluss auf die Preisentwicklung zu behalten und sicherzustellen, dass diese Wohnungen auch künftig im leistbaren Segment bleiben. Denn leistbares Eigentum darf nicht nur ein kurzfristiges Projekt sein, sondern muss auch für kommende Generationen abgesichert werden.

Umso bitterer ist es nun, mitansehen zu müssen, wie die Stadtregierung dieses wichtige Instrument Schritt für Schritt kampflos aufgibt. Statt alles dafür zu tun, leistbaren Wohnraum dauerhaft zu sichern, verzichtet man zunehmend leichtfertig auf genau jene Schutzmechanismen, die Spekulation verhindern sollten. Ja, es gibt ein höchstgerichtliches Urteil – aber nicht jeder Einzelfall ist automatisch gleich zu bewerten. Der Eindruck entsteht vielmehr, dass hier im vorauseilenden Gehorsam jeglicher Widerstand aufgegeben wird.

Die Folgen liegen auf der Hand: Wohnungen, die ursprünglich für leistbares Eigentum gedacht waren, landen früher oder später am freien Markt – mit Preisen, die sich viele Innsbruckerinnen und Innsbrucker nicht mehr leisten können. Genau das hätte das Vorkaufsrecht verhindern sollen.

Konkret handelt es sich aktuell um 49 Wohnungen die jetzt betroffen sind (21 Wohnungen in der Hans-Maier-Straße 3, sieben Wohnungen in der Höttinger Au 74, neun Wohnungen in der Hunoldstraße 14 sowie zwölf Wohnungen in der Amraser Straße). Geht man von einer durchschnittlichen Wohnungsgröße von 60 m² und einem eher vorsichtig angesetzten Marktwert von 7.000 Euro pro Quadratmeter aus, ergibt sich ein Gesamtwert von rund 20 Millionen Euro. Damit sprechen wir mittlerweile nahezu von einer Verdoppelung der ursprünglichen Werte. Für viele künftige Käuferinnen und Käufer wird solcher Wohnraum damit dem förderungsnahen Segment entzogen und für sehr viele Menschen außerhalb des leistbaren Bereichs liegen.

Besonders enttäuschend ist dabei die Rolle von SPÖ, Grünen und JA, die diesen Kurs mittragen. Während öffentlich ständig über leistbares Wohnen gesprochen wird, verschwinden unter der Caprese-Regierung Schritt für Schritt Wohnungen aus dem dauerhaft abgesicherten, leistbaren Bereich – sei es durch Verkäufe oder durch die kampflose Aufgabe von Preissicherungsmaßnahmen. Und ob die 100 Wohnungen im „Gemeinschaftswohnform-Projekt“ verkauft werden oder nicht – diese Antwort verweigern SPÖ und Grün trotz GR- Anfragen bis heute.

Es reicht nicht, ständig von leistbarem Wohnen zu sprechen, wenn man gleichzeitig jene Instrumente aufgibt, die leistbares Eigentum langfristig absichern sollten. Genau dadurch wird Spekulation Tür und Tor geöffnet. Wir werden hier sicher nicht locker lassen und weiterhin klar aufzeigen, dass diese Politik Wohnen in Innsbruck ganz sicher nicht leistbarer macht. In diesem Sinne: Schluss mit dem Ausverkauf der Stadt. Sei es bei Mietwohnungen oder leistbarem Eigentum.

Stadtrat Mag. Markus Stoll

Erinnerungen an den Wahlkampf 2024 – Es handelt sich hier übrigens NICHT um ein KI bearbeitetes Plakat. Inzwischen steht die Innsbrucker SPÖ sogar für den Verkauf von Stadtwohnungen. Wie so oft bestimmt der Standort die Perspektive.

Foto (c) Depaoli