Der Ausbau des Radweges entlang der Aldranser Straße wird von Stadt und Land als wichtiger Lückenschluss gefeiert. Tatsächlich entsteht lediglich ein weiteres Teilstück stadtauswärts und bergauf zwischen dem Kreisverkehr Innsbruck-Mitte (wie komme ich da als Radfahrer überhaupt sicher hin?!) und der Touristenattraktion Schloss Ambras. Die Kosten dafür belaufen sich alleine für diese paar hundert Meter auf rund 3,5 Millionen Euro. Rechnet man die bereits errichteten Abschnitte sowie die Adaptierungen im Bereich der Autobahnunterführung hinzu, sind bereits rund fünf Millionen Euro in dieses Projekt geflossen. Ein bemerkenswerter Schildbürgerstreich entsteht hier.
Fünf Millionen Euro für einen Radweg, der bislang nur ein kurzes Teilstück umfasst und zudem nur in einer Fahrtrichtung genutzt werden kann – bergauf. Über die weitere Streckenführung gibt es hingegen kaum konkrete Informationen.
„Niemand stellt in Abrede, dass sichere Radverbindungen wichtig sind. Gerade deshalb müssen Projekte durchdacht, nachvollziehbar und wirtschaftlich sinnvoll geplant werden – ich erinnere an unsere Gemeinderatsanträge zur Verbesserung der Universitätsstraße und damit Museumsstraße. Beim Radweg Richtung Aldrans drängt sich zunehmend der Eindruck auf, dass hier ohne erkennbares Gesamtkonzept und zu immensen Kosten für die Stadt Innsbruck Stück für Stück gebaut wird. Weder Lutz noch Wohlgemuth wissen bis heute, wie die Gesamtstrecke am Ende aussehen soll.“, so Stadtrat Mag. Markus Stoll.
Radweg darf nur bergauf befahren werden, bergab bleibt ein gefährliches Abenteuer
Mittlerweile kommt endlich auch ans Tageslicht, warum der neue Radweg ausschließlich in Richtung bergauf genutzt werden kann. Wer talwärts vom westlichen Mittelgebirge in Richtung Innsbruck fährt, wird weiterhin über den steilen schattigen Bichlweg gezwungen – mit Kindern und für SeniorInnen ein gefährliches Unterfangen talwärts. Von einer vollwertigen Radverbindung – und das um 5 Millionen Euro Steuergeld – kann daher keine Rede sein.
„Wenn Stadträtin Lutz und LH-Stv. Wohlgemuth Investitionen von rund fünf Millionen Euro für eine Fahrtrichtung tätigen, ist die Frage zwingend, was sie sich dabei gedacht haben. In der Bevölkerung in Stadt und Umland versteht das niemand mehr.“, so Stoll.
Danke für Nichts! Viele offene Fragen beim weiteren Ausbau
Noch unklarer wird die Situation beim weiteren Verlauf. Während die aktuelle Baustufe bis Schloss Ambras führt, gibt es für die Weiterführung Richtung Aldrans bislang weder einen fertigen Plan noch Klarheit über den notwendigen Grundbedarf. Gespräche mit Grundeigentümern stehen überhaupt erst bevor. Selbst die zuständigen Stellen räumen ein, dass wesentliche Fragen noch offen sind. Damit bleibt auch völlig offen, welche Kosten auf die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler noch zukommen werden. Betrachtet man die bisherigen Baukosten pro Abschnitt, ist bereits heute absehbar, dass der Endausbau deutlich teurer werden dürfte als die bislang genannten Beträge und bei 15 Millionen Euro zu liegen kommen könnte.
„Die Bürgerinnen und Bürger haben Anspruch darauf zu erfahren, wie die endgültige Streckenführung aussehen soll und was der Endausbau tatsächlich kosten wird. Eine transparente Gesamtkalkulation wäre daher längst überfällig. Noch wichtiger ist aber die Frage, warum Millionenbeträge in einen Radweg investiert werden, der nicht einmal in beide Richtungen sicher genutzt werden kann. Wer von nachhaltiger Mobilität spricht, sollte auch eine Lösung präsentieren, die für Radfahrerinnen und Radfahrer – besonders Kinder und SeniorInnen – tatsächlich durchgängig und alltagstauglich ist“, schließt Stoll.

Kartenmaterial: Google Maps