Kommentar von Klubobfrau Dr.in Birgit Winkel: Sichere Schulwege dürfen nicht warten!

Es ist ein starkes Bild, wenn Eltern jeden Morgen selbst die Straße vor einer Volksschule sperren müssen, damit Kinder für eine halbe Stunde möglichst sicher zur Schule kommen. Umso drängender ist die Frage, warum es überhaupt so weit kommen musste.

In Pradl wurde die Einrichtung einer Schulstraße bereits zweimal abgelehnt. Gleichzeitig berichten Eltern und die Direktion seit Jahren von Problemen rund um den morgendlichen Bringverkehr. Ich begrüße daher sehr, dass eine neuerliche Prüfung angekündigt wurde. Diese Chance sollte genutzt werden – offen, transparent und gemeinsam mit allen Betroffenen.

Dabei geht es um weit mehr als die Frage, ob am Ende eine Schulstraße kommt oder nicht. Verkehrszeichen „Achtung Kinder“, dauerhafte Geschwindigkeitsanzeigen, mehr Pedibus-Gruppen, sichere Querungen, aufgemalte Gehsteige oder andere bauliche Verbesserungen können ebenso einen wichtigen Beitrag leisten. Entscheidend ist, dass man ins Tun – oder, wie der Bürgermeister es formuliert, „ins Doing“ – kommt.

Gerade das vermisse ich derzeit. Wenn Schulleitungen wiederholt nachfragen und keine nachvollziehbaren Antworten erhalten, passt das schwer zu jenem neuen Stil auf Augenhöhe, den Bürgermeister Anzengruber so oft versprochen hat. Wer eine Maßnahme ablehnt, sollte zumindest erklären, warum – und welche Alternativen möglich sind.

Dass es anders gehen kann, hat Innsbruck selbst gezeigt. Während der Großbaustelle rund um den Bildungscampus Arzl, im Heimatstadtteil des Bürgermeisters, wurde auf den Druck zahlreicher Eltern reagiert und eine kreative Übergangslösung geschaffen. Nun hat bekanntlich nicht jeder Innsbrucker Stadtteil das Glück, den Bürgermeister beheimaten zu dürfen. Umso wichtiger ist, dass bei der Sicherheit von Kindern überall mit demselben Engagement nach pragmatischen Lösungen gesucht wird.

Bevor weiteres Steuergeld in lila Fahrradstreifen oder Radwege fließt, die im Nirgendwo enden, sollte die Sicherheit unserer Kinder auf dem täglichen Schulweg höchste Priorität haben. Das ist keine Frage des Verkehrsmittels, sondern der richtigen politischen Prioritäten.

Auch der sogenannte Caprese-Knebelvertrag sieht den Ausbau sicherer Schulwege vor. Diesem Anspruch müssen endlich Taten folgen. Die neuerliche Prüfung der Schulstraße in Pradl ist daher richtig. Sollte sie tatsächlich nicht umsetzbar sein, müssen rasch andere wirksame Maßnahmen auf den Tisch.

Sichere Schulwege sollten in Innsbruck selbstverständlich sein. Eltern und Schulleitungen brauchen keine jahrelange Unklarheit, sondern Antworten und konkrete Verbesserungen.