Schon in der Planungsphase haben wir darauf hingewiesen, dass die neue Verkehrsführung rund um den Bozner Platz für Verunsicherung sorgen wird. Leider zeigen die Erfahrungen der letzten Wochen, dass diese Bedenken berechtigt waren. Tägliche Staus, unnötige Mehrwege durch die Sperre der Wilhelm-Greil-Straße und viel Frust bei den Verkehrsteilnehmern prägen derzeit das Bild.
Umso bemerkenswerter ist es, dass jetzt – nach Fertigstellung – plötzlich Verkehrszählungsgeräte aufgestellt werden. Das wirkt weniger wie vorausschauende Planung, sondern eher wie ein nachträgliches Eingeständnis, dass man die Auswirkungen unterschätzt hat. Ein ‚Jahrhundertprojekt‘ sollte nicht erst im Nachhinein evaluiert werden.
Auch die praktische Ausführung wirft Fragen auf. Der Föhn hat bereits gezeigt, wie anfällig die Gestaltung ist – Sand wird verweht, Flächen verschmutzen. Dazu kommen Bereiche, in denen Wasser stehen bleibt und nicht versickert. Die versprochenen Effekte des Schwammstadtprinzips sind für viele Bürgerinnen und Bürger derzeit nicht nachvollziehbar. Wenn sich sogar temporäre ‚Eislaufplätze‘ bilden, läuft offensichtlich etwas schief.
Besonders kritisch sehen wir die wirtschaftlichen Folgen dieser Verkehrsführung. Wenn die Zufahrt in die Innenstadt zur Geduldsprobe wird, werden viele Menschen künftig lieber gleich in die Peripherie ausweichen. Das schwächt den innerstädtischen Handel. Dann können wir noch mehr Schaufenster bunt bekleben, Geschäftsflächen als Zwischennutzungen für Start-ups anbieten und uns eine autofreie Stadt schönreden – an den realen wirtschaftlichen Problemen ändert das nichts.
Der Bozner Platz hätte das Potenzial für echte Aufenthaltsqualität. Dafür braucht es aber Ehrlichkeit in der Evaluierung, die Bereitschaft zur Nachbesserung und vor allem das Eingeständnis, dass nicht alles perfekt gelaufen ist. Die Menschen erwarten sich zu Recht einen Platz, der im Alltag funktioniert – nicht nur auf dem Papier oder in Visualisierungen