Fast acht Jahre sind vergangen, seit im Mai 2018 die städtischen und politischen Agenden als Bürgermeisterin – samt Verfügungsmacht über Gebäude, Flächen, Verträge und damit auch über zentrale Kultur- und Bildungsräume – an den damaligen neuen Bürgermeister Georg Willi übergegangen sind. Umso bemerkenswerter ist es, dass ich heute noch von Medien gefragt werde, wie man die Kulturflächen auf und im Projekt Amraserstraße „beleben“ soll. Dieses Gebäude wurde übrigens 2018 fertiggestellt.
Die Verantwortung für Nutzung, Bespielung und Weiterentwicklung dieser Räume liegt seit Mai 2018 bei der Stadtregierung: zunächst bei Bürgermeister Willi und der damaligen Kulturreferentin Ursula Schwarzl, heute beim Kulturreferat unter Bürgermeister Anzengruber und dem nunmehrigen Vizebürgermeister Willi. Das wären eigentlich die zuständigen Ansprechpartner, wenn es um die Frage geht, warum vertraglich gesicherte Kulturflächen offenbar nicht im vereinbarten Ausmaß genutzt werden.
Was damals erreicht wurde: Raum sichern, Grundlagen legen, Zukunft ermöglichen
In meiner früheren Zuständigkeit konnten wesentliche Grundlagen geschaffen werden, damit Kultur, Jugendbildung und vor allem die Stadtbibliothek dringend benötigten, hochwertigen Raum bekommen. Mit dem Bau in der Amraser Straße: Hier wurden städtebauliche Grundsteine gelegt und die Nutzung langfristig gesichert – inklusive eines klaren Vorteils für die Stadt: Die Stadtbibliothek befindet sich erfreulicherweise zu 100 Prozent im Eigentum der Stadt bzw. der IIG.
Kulturell entstand mit der Stadtbibliothek ein Zentrum für Bildung – und mit dem Kulturplateau ein öffentlicher Mehrwert, der vielen Menschen zur Verfügung stehen soll.
Städtebaulich erweitert das Gebäude die Innenstadt und bildet den Kopf des Frachtenbahnhofs – ein Gebiet, das laut früheren Plänen als große Chance für die Stadtentwicklung weiterentwickelt werden sollte. Aus meiner Sicht hat man dieser Chance in den Folgejahren leider nicht mehr die nötige Beachtung geschenkt.
Fehlentwicklung: Kulturflächen für Verwaltung statt für Kultur
Dass Teile jener Räumlichkeiten, in denen bisher auch eine universitäre Einrichtung des Mozarteums untergebracht war, nun für städtische Verwaltungszwecke genutzt werden sollen, haben wir von Das Neue Innsbruck im Gemeinderat klar abgelehnt. Das widerspricht dem Geist dieser Flächen – und ist auch von der Wertigkeit her nicht stimmig.
Stadtbibliothek als Erfolgsmodell – Kultur gelingt, wenn man dranbleibt
Was mir aufgrund einer Vielzahl von Aussendungen und Veranstaltungen bekannt ist: Die Stadtbibliothek übertrifft die gesetzten Erwartungen in jeder Hinsicht und verzeichnet jährliche Besucherrekorde. Dieser Ort hat sich – auch dank hervorragender öffentlicher Anbindung – zu einem „großen Wohnzimmer“ entwickelt. Das freut mich als damalige Ideengeberin und Fürsprecherin dieser Einrichtung sehr. Das zeigt klar: Kultur und Bildung funktionieren, wenn man sie von Beginn an professionell und engagiert unterstützt, ihnen Raum gibt – und sich laufend darum kümmert.
Was jetzt zu tun wäre: freie Kulturräume aktiv nutzbar machen
Wenn ich schon von Medien gefragt werde was man tun könnte, dann sehe ich Verbesserungsbedarf in der aktiven Bearbeitung der Frage, wie freie Kulturräume endlich genutzt und sinnvoll bespielt werden. Als Opposition sehen wir seit Langem: Mit den Kulturschaffenden wird zu wenig kommuniziert. Der im April 2025 medienwirksam eingesetzte „Kulturraumkoordinator“ hat nach unserer Information bereits das Handtuch geworfen.
Deshalb fordern wir die zuständigen Ressortführenden in der Stadtregierung auf, ihren Aufgaben nachzukommen und sich mit mehr Leidenschaft für eine qualitätsvolle und stimmige Verwendung der vertraglich gesicherten Kulturflächen einzusetzen. Nachdem die Stadtregierung unsere Ideen – die wir in vielen Anträgen vorbringen – im Gemeinderat meist reflexartig zurückweist, ist es mit der Weitergabe konkreter Anregungen derzeit leider schwierig.
Willi kündigt an, nach 8 Jahren Untätigkeit Druck machen zu wollen
Die Räume sind da. Die Verträge sind da. Die Chance ist da. Was fehlt, ist konsequente Verantwortung und aktives Management durch jene, die seit 2018 zuständig sind. Immerhin hat Georg Willi – der seit 2018 entweder als Bürgermeister oder jetzt als Kulturreferent zuständig war bzw. ist – angekündigt „Druck zu machen“. Die Hoffnung stirbt zuletzt…
TT, 12. Jänner 2026, Seite 17
