Die langen Hitze- und Trockenperioden dieses Sommers haben nicht nur den Menschen zugesetzt. Gerade für Bäume und Grünflächen in dicht bebauten Städten waren die vergangenen Wochen eine enorme Belastungsprobe. Viele Städte und Gemeinden im In- und Ausland haben darauf mit unterschiedlichen, zum Teil kreativen Maßnahmen reagiert. Innsbruck bildet beim Grünflächenanteil im Stadtkern laut einer Greenpeace-Studie aus dem Jahr 2026 das Schlusslicht unter den österreichischen Landeshauptstädten. Umso mehr stellt sich die Frage: Wie gut ist Innsbrucks Stadtgrün durch diesen Hitzesommer gekommen – und welche Maßnahmen wurden gesetzt bzw. sollen künftig ergriffen werden?
„Unsere Bäume sind ein wesentlicher Bestandteil des natürlichen Hitzeschutzes in der Stadt. Gerade deshalb möchten wir wissen, wie gut sie durch die vergangenen Wochen gekommen sind. Wo sind Schäden entstanden? Welche Baumarten haben sich bewährt und welche weniger? Und haben wir neben der laufenden Bewässerung auch neue oder kreative Methoden ausprobiert oder zumindest geprüft?“, so Klubobfrau GRin Dr.in Birgit Winkel.
Ein Blick nach Reutte
Kürzlich berichtete die Tiroler Tageszeitung über den Umgang mit dem Stadtgrün in Reutte. Dort leiden insbesondere Rosskastanien unter massivem Trockenstress. Zu kleine Baumscheiben, hohe Verdunstung und fehlende Niederschläge machen den Bäumen zu schaffen. Die Gemeinde versucht nun unter anderem mit speziellen Wassersäcken gegenzusteuern, die langsam und kontinuierlich Feuchtigkeit abgeben. Gleichzeitig werden bereits weitergehende Konsequenzen diskutiert: größere und miteinander verbundene Baumscheiben, zusätzliche Entsiegelungen und Grüninseln sowie der verstärkte Einsatz klimafitter Baumarten.
Vieles davon wurde auch in Innsbruck immer wieder vorgeschlagen. Entsprechende Initiativen der Opposition wurden von der Stadtregierung aus SPÖ, Grünen und JA jedoch wiederholt abgelehnt.
„Das Beispiel Reutte zeigt, dass selbst große, ältere Bäume durch zu kleine Baumscheiben Schwierigkeiten haben können, ausreichend Wasser aufzunehmen. Dort sollen deshalb Flächen entsiegelt und Baumscheiben nach Möglichkeit vergrößert oder miteinander verbunden werden. Auch für Innsbruck stellt sich die Frage, ob wir unseren Bäumen gerade an besonders heißen und stark versiegelten Standorten ausreichend Raum und Unterstützung geben“, so Winkel.
Wie bewähren sich Innsbrucks Bäume?
Von besonderem Interesse ist für Das Neue Innsbruck auch, wie sich jene Baumarten entwickeln, die in den vergangenen Jahren gezielt als besonders stadt- und klimatauglich gepflanzt wurden. Dazu zählen etwa die Gleditschien, die auch an Standorten mit vergleichsweise kargen Rahmenbedingungen zum Einsatz kommen.
„Gerade ein Hitzesommer wie dieser ist ein Praxistest für unsere Stadtbegrünung. Wir wollen deshalb wissen, welche Baumarten mit Hitze und Trockenheit gut zurechtgekommen sind und wo Probleme aufgetreten sind. Interessant ist für uns beispielsweise auch, ob sich die Gleditschien an ihren teilweise kargen Standorten tatsächlich so entwickeln, wie man sich das bei ihrer Pflanzung erwartet hat“, erklärt Winkel.
Anfrage im Gemeinderat angekündigt
Das Neue Innsbruck wird deshalb mit einer Anfrage im Gemeinderat eine Bilanz des heurigen Sommers einfordern. Dabei soll unter anderem geklärt werden, welche Schäden an Innsbrucks Bäumen und Grünflächen festgestellt wurden, wie hoch der zusätzliche Bewässerungsaufwand war, welche besonderen Maßnahmen gesetzt oder geprüft wurden und welche Erkenntnisse die Stadt aus den Hitzeperioden für zukünftige Pflanzungen und die Gestaltung von Baumstandorten zieht.
„Andere Gemeinden reagieren auf die zunehmende Hitze mit neuen Ideen und ziehen daraus bereits Konsequenzen für die Gestaltung ihrer Ortszentren. Wir wollen wissen, welche Erfahrungen Innsbruck in diesem Sommer gemacht hat und was wir daraus für die kommenden Jahre lernen können. Denn Stadtbäume sind längst nicht mehr nur Gestaltungselemente. Sie sind natürliche Klimaanlagen und damit ein wichtiger Teil der Lebensqualität in unserer Stadt. Und wie wir aus der Greenpeace-Studie wissen, hat Innsbruck hier enormen Aufholbedarf“, so Winkel abschließend.