Scharfe Kritik üben Gemeinderat MMst. Franz Jirka und Ersatzgemeinderat Mag. Lucas Krackl an den aktuellen Entwicklungen rund um das innerstädtische Areal bei der ehemaligen Landespolizeidirektion am Innrain. Während das ursprünglich geplante Marktviertel unter breiter politischer Einbindung, unter Einbeziehung von Expertinnen und Experten sowie nach intensiven Diskussionen entwickelt wurde, wurde dieses langfristig angelegte Projekt von Bürgermeister Johannes Anzengruber von heute auf morgen abgesagt. Betroffen ist auch das ehemalige Areal der Landespolizeidirektion am Innrain. Die Begründung: nicht finanzierbar. Während für politische Deals und Prestigeprojekte offenbar weiterhin Geld vorhanden sei, lasse man hier eine große Chance zur Neugestaltung der Innenstadt einfach liegen. Eine Anfragebeantwortung habe nun zudem offengelegt, dass künftig offenbar ohne Gemeinderat weitergearbeitet werden soll.
„Die Entwicklung des Marktviertels nach einem internationalen Architektenwettbewerb und die anschließende Vertiefung gemeinsam mit Stadtplanung, Architekten, Innsbrucker Immobiliengesellschaft und Politik war ein Paradebeispiel dafür, wie Stadtentwicklung funktionieren sollte: transparent, unter Einbindung des Gemeinderats und mit fachlicher Expertise. Es ist mehr als bedauerlich, wie kurzfristig hier agiert wird und eine echte Chance für die langfristige Entwicklung des Marktviertels und des gesamten Areals am Innrain einfach gestoppt wurde“, so Ersatzgemeinderat Mag. Lucas Krackl und ehemaliger langjähriger Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung.
Anfragebeantwortung irritiert
Besonders kritisch sehen Jirka und Krackl dabei, dass für die Entwicklung des Marktviertels und des gesamten Areals nach wie vor ein aufrechter Gemeinderatsbeschluss besteht. Dennoch soll laut Anfragebeantwortung die Innsbrucker Immobiliengesellschaft bereits beauftragt worden sein, eigenständig Nutzungsüberlegungen für das Areal anzustellen – offenbar ohne Einbindung des Gemeinderats oder der Stadtplanung.
„Das ist ein Affront und zeigt, welchen Stellenwert Zusammenarbeit für den Bürgermeister offenbar hat: nämlich keinen. Ein aufrechter Stadtsenatsbeschluss vom 26.05.2021 wird sich nicht einfach durch eine Medienaussendung des Bürgermeisters aushebeln lassen. Umso mehr stellt sich die Frage, welche politischen Absprachen und rot-grünen Deals hier im Hintergrund bereits getroffen wurden und welche konkreten Nutzungen künftig tatsächlich vorgesehen sind. Hoffentlich denkt man nicht schon wieder ernsthaft darüber nach, die Verwaltung weiter aufzublähen und zusätzliche Verwaltungsräume auf einer derart wertvollen innerstädtischen Fläche zu schaffen“, so GR MMst. Franz Jirka.
Klare Zielsetzungen erforderlich
„Gerade bei einem derart sensiblen und bedeutenden Grundstück im Herzen der Stadt braucht es maximale Transparenz, klare Zielsetzungen und einen breiten politischen Schulterschluss, damit ein solches Vorhaben auch langfristig umgesetzt werden kann. Wieder einmal entsteht der Eindruck, dass hinter verschlossenen Türen politische Deals auf Kosten einer breit aufgestellten Stadtentwicklung abgeschlossen werden. Und SPÖ und Grüne spielen dieses Spiel wieder einmal mit“, so Jirka.
Stadtentwicklung ist kein Mikromanagement
„Stadtentwicklung ist kein Einzelprojekt des Bürgermeisters oder einer Beteiligungsgesellschaft, sondern eine breit gemeinsam anzugehende Aufgabe. Wir fordern eine Rückkehr zum Dialog zwischen Stadtplanung, Gemeinderat und den eingebundenen Beteiligungsunternehmen. Chancen wie diese müssen gesamthaft betrachtet und bewertet werden. Leider scheint breite Zusammenarbeit bei der aktuellen Stadtregierung nach wie vor keinen hohen Stellenwert in ihrer Arbeit zu haben“, so Jirka und Krackl abschließend.