DNI Antrag für Erinnerungskultur in der Exlgasse wurde einstimmig angenommen!

Angestoßen durch die Studie des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck zu Burghard Breitner, der ab 1940 Vorstand der Chirurgie an der Klinik Innsbruck war, und in dessen Verantwortung Zwangssterilisationen an Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen sowie Angehörigen der LGBTQ+-Community vorgenommen wurden, haben sich der Kulturausschuss und der Gemeinderat im Jahr 2020 besonders mit der Thematik des verantwortungsvollen Umgangs mit Straßennamen, Ehrengräbern, Auszeichnungen und Denkmälern von Personen befasst, deren verbrecherische nationalsozialistische Vergangenheit wissenschaftlich nachgewiesen wurde.

„Der Anlassfall Burghard Breitner hat im Zuge dessen dazu geführt, dass der bisherige Umgang der Stadt Innsbruck mit Straßennamen im Lichte solcher Erkenntnisse erneut diskutiert und hinterfragt wurde. Der Gemeinderat hat im Jahr 2020 beschlossen, bei der Gepflogenheit zu bleiben, die Straßen nicht umzubenennen, sondern eine Zusatztafel mit den neuen Informationen zur Person anzubringen“, erläutert Das Neue Innsbruck Gemeinderätin Dr.in Renate Krammer-Stark.

Der Zusatz sah wie folgt aus:  

„Burghard Breitner, 1884 bis 1956, Chirurg, Universitätsprofessor und Vorstand der chirurgischen Universitätsklinik, Rektor der Universität und für das Unrecht der NS-Gesundheitspolitik in Innsbruck mitverantwortlich.“  

„Neuere Forschungen zeigen, dass Breitner als Leiter der Innsbrucker Chirurgie für die Durchführung von Zwangssterilisationen im Sinne der menschenverachtenden Gesundheitspolitik des NS-Regimes verantwortlich war. Hier soll diese Straßenbezeichnung bestehen bleiben, nicht um Breitner zu ehren oder hervorzuheben, sondern um als Mahnmal gegen das Vergessen ideologischer Verirrungen und Verbrechen zu wirken.“  

Ferdinand Exl

Burghard Breitner war und ist jedoch nicht die einzige Person, deren verbrecherische Vergangenheit entdeckt und aufgearbeitet wurde. Die Exlgasse in der Höttinger Au ist nach Ferdinand Exl benannt. Die Studie „Der Theaterdirektor Ferdinand Exl im Nationalsozialismus 1933-1942“ von Mag.a Anna Barbara Sum im Auftrag des Stadtarchivs hat bereits 2022 die nationalsozialistische Vergangenheit von Ferdinand Exl untersucht und belegt. Bisher hat die Exlgasse aber keine Zusatztafel bzw. ist die politische Diskussion dazu wieder im Sand verlaufen.  

„Im Kapitel Kunst und Kultur des Zukunftsvertrags der Stadtregierung findet sich keine Initiative oder Erwähnung zur Fortführung der wichtigen kulturpolitischen Projekte zur gesellschaftlich wichtigen Aufgabe der Erinnerungskultur, die von Stadträtin und Kulturreferentin Mag.a Uschi Schwarzl sowie Kulturausschussobfrau Mag.a Irene Heisz ab 2020 parteiübergreifend initiiert wurden. Erinnerungskultur erfordert immer Engagement über mehrere Gemeinderatsperioden hinweg und sollte auch in der Periode 2024 bis  2030 ein zentrales Anliegen der Stadt Innsbruck sein. Das sind wir der Geschichte schuldig“, so Das Neue Innsbruck Kultursprecherin Dr.in Birgit Winkel.

Der Antrag

Im Gemeinderat vom 27. Februar 2025 wurde der von Klubobmann-Stellvertreterin Gemeinderätin Dr.in Birgit Winkel gemeinsam mit Ersatzgemeinderätin Dr.in Renate Krammer-Stark erarbeitete Antrag einstimmig angenommen. Ein positives Zeichen für die Erinnerungskultur in Innsbruck.