Bogen 40: Über 300.000 Euro versenkt – und jetzt dreht sich das Geldkarussell

22 Monate Leerstand, mehr als 300.000 Euro Kosten und noch immer keine Nutzung: Der Viaduktbogen 40 wird immer mehr zum Sinnbild gescheiterter Stadtpolitik. Stadtrat Mag. Markus Stoll rechnete im Gemeinderat mit dem Projekt ab. Der Bericht des Stadtrechnungshofes wirft brisante Fragen zur politischen Verantwortung, zu einem fragwürdigen Finanzierungsmodell und zur Rolle einzelner Mandatare auf.

Bereits im Dezember 2024 konnte durch einen Schulterschluss der Stadträte Markus Stoll und Markus Lassenberger im Stadtsenat erreicht werden, dass Anzengruber/Willi/Mayr dieses Projekt nicht einfach still und heimlich am Gemeinderat und der Öffentlichkeit vorbeischmuggeln. Der grüne Gemeinderat Auer hat sich kurioserweise im nachhinein ausdrücklich dafür bedankt – weil er dadurch erstmals (!!) die Beschlussunterlagen gesehen hat. Was die Grünen in ihrem Klub bei den Sitzungen so tun und beraten, das bleibt vielen ein rätselhaftes Geheimnis.

Aus dem ursprünglich angekündigten „Impact Hub“ wurde ein „Testspace“ – und schließlich ein Dauerleerstand. Rund 240.000 Euro brutto wurden in die Adaptierung der nur 90 Quadratmeter großen Geschäftsfläche investiert. Dazu kommen laufende Mietzahlungen an die ÖBB. Insgesamt wurden bereits mehr als 300.000 Euro ausgegeben, ohne dass eine einzige tatsächliche Nutzung stattgefunden hätte.

„Vom Impact Hub zum Testspace und am Ende bei einem gescheiterten Test gelandet. Nach 22 Monaten können wir nicht einmal einen einzigen Tag tatsächlicher Nutzung verzeichnen. Dafür wurden bereits mehr als 300.000 Euro an Steuergeld ausgegeben. Das ist schon eine bemerkenswerte Bilanz für ein Projekt, das ursprünglich als große Innovation angekündigt wurde“, fasst Stadtrat Mag. Markus Stoll die Entwicklung zusammen.

Erst Leerstand produzieren, dann die Vermietung fördern

Besonders kurios ist das nun geplante Finanzierungsmodell: Die Innsbrucker Immobiliengesellschaft (IIG) soll das Geschäftslokal um monatlich 1.893 Euro weitervermieten. Damit der künftige Nutzer nur 1.000 Euro bezahlen muss, sollen ihm die restlichen 893 Euro über die Innsbruck Marketinggesellschaft refundiert werden.

„Die Stadt mietet also ein Geschäftslokal an, lässt es fast zwei Jahre leer stehen und finanziert anschließend über eine weitere städtische Gesellschaft einen Teil der Miete des künftigen Nutzers. Dass ausgerechnet Mittel des Leerstandsmanagements eingesetzt werden, um einen Leerstand zu fördern, den die Stadtregierung selbst geschaffen hat, muss auch erst einmal jemandem einfallen. Und ob dieses Geldkarussell auch steuerrechtlich sauber ist, bleibt abzuwarten. Vielleicht wartet hier noch das eine oder andere faule Überraschungsei auf die Stadtregierung“, so Stoll.

Viele mischten mit – aber wer trägt die Verantwortung?

Der Stadtrechnungshofbericht wirft Fragen zur politischen Einflussnahme und zu den Zuständigkeiten auf. Insbesondere die Rollen von Vizebürgermeister Georg Willi und Gemeinderat Auer stehen im Mittelpunkt der Kritik.

„Das ist eine Anleitung, wie Projektmanagement durch die Einmischung von Hinz und Kunz nicht funktioniert. Ein Projekt braucht eine klare Leitung und jemanden, der von Anfang bis Ende die Verantwortung übernimmt. Besonders bemerkenswert finde ich, dass sich Gemeinderat Auer trotz seiner Beteiligung am Projekt im Kontrollausschuss nicht für befangen erklärt hat“, kritisiert Stadtrat Mag. Markus Stoll.

Doch auch bei der Aufklärung bleiben Fragen offen. Der Stadtrechnungshof untersuchte offenbar nur jene E-Mails, bei denen die IIG als Absender oder Empfänger beteiligt war. Weitere Korrespondenz zwischen politischen Akteuren könnte damit bislang ungeprüft geblieben sein.

„Nachdem sich Gemeinderat Auer so genau nach den untersuchten E-Mails erkundigt hat, stellt sich schon die Frage, ob es da noch brisantere Korrespondenz gibt. Gibt es etwas zu verbergen? Aktuell kann das nicht festgestellt werden. Vorerst“, so Stoll

Ein teures Lehrstück gescheiterter Stadtpolitik

Für Das Neue Innsbruck steht fest: Der Bogen 40 ist längst mehr als ein gescheitertes Einzelprojekt. Er steht beispielhaft für politische Einflussnahme, fehlende Verantwortlichkeiten und einen sorglosen Umgang mit öffentlichen Geldern. Gerade angesichts der angespannten Finanzlage der Stadt ist das besonders bedenklich.

Auch Bürgermeister Johannes Anzengruber kann sich seiner politischen Gesamtverantwortung nicht entziehen. Er ist gefordert, die Vorgänge vollständig aufzuklären und für klare Zuständigkeiten in den städtischen Gesellschaften zu sorgen.

„Lutz, Willi und Auer haben den Leerstand produziert. Die ÖBB hat davon gut profitiert und die Finanzabteilung und die IIG haben kapituliert.“, bilanziert Stoll abschließend.

Redebeitrag im Gemeinderat nachsehen:

Beitrag in der Tiroler Krone vom 10. Oktober 2026