Kinderzentrum Pechegarten: Projekt wird unterstützt – Kosten für zusätzliche Verwaltungsflächen werden hinterfragt

Mit dem Baubeschluss für das neue Kinderzentrum Pechegarten hat der Innsbrucker Gemeinderat den Weg für eines der wichtigsten Sozial- und Bildungsprojekte der kommenden Jahre freigemacht. Das Neue Innsbruck hat dem Projekt selbstverständlich zugestimmt. Neue Betreuungsplätze, sozialpädagogische Wohngruppen und Wohnangebote für junge Menschen sind dringend notwendig und stellen eine sinnvolle Investition in die Zukunft dar.

Kritik gab es allerdings an einem Punkt, der mit dem eigentlichen Zweck des Projekts wenig zu tun hat: Im Neubau sollen zusätzlich Büro- und Verwaltungsflächen für die Innsbrucker Sozialen Dienste (ISD) im Wert von rund 1,7 Millionen Euro errichtet werden. Diese Flächen sind im Projektbericht ausdrücklich als eigener Kostenblock „Büro und Verwaltung ISD“ ausgewiesen und werden frei finanziert. Stadtrat Mag. Markus Stoll brachte deshalb einen Abänderungsantrag ein, wonach die Verwaltungsflächen aus dem Bauprojekt herausgenommen und gesondert behandelt werden sollten. Der Antrag fand jedoch keine Mehrheit.

„Das Kinderzentrum unterstützen wir voll und ganz. Unsere Kritik richtet sich ausschließlich gegen die zusätzlichen Verwaltungsflächen und die dafür vorgesehenen Kosten. Warum müssen ausgerechnet im Rahmen eines Projekts für Kinderbetreuung und soziale Einrichtungen neue allgemeine Büroflächen für die ISD geschaffen werden? Genau diese Frage gehört diskutiert“, so Stadtrat Mag. Markus Stoll.

Haus der Beteiligungen statt immer mehr Verwaltungsstandorte

Besonders kritisch sieht Das Neue Innsbruck die zunehmende Dezentralisierung der Verwaltung. Bereits bei anderen Projekten wie in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek seien zusätzliche Verwaltungsstandorte entstanden. Stoll verweist deshalb erneut auf die seit Jahren vertretene Idee eines zentralen „Hauses der Beteiligungen“.

„Die Verwaltung wird immer größer und verteilt sich auf immer mehr Standorte – trotz stagnierender Bevölkerungszahlen und fortschreitender Digitalisierung. Das halte ich für den falschen Weg. Statt zusätzliche Verwaltungsflächen anzumieten, sollte die Stadt die Idee eines gemeinsamen Hauses der Beteiligungen wieder aufgreifen. Dort ließen sich Synergien nutzen und Kosten sparen, während Sozial- und Betreuungseinrichtungen selbstverständlich weiterhin dort bleiben, wo sie gebraucht werden: nahe bei den Menschen“, so Stoll.

Projektbericht bestätigt zusätzlichen Verwaltungsbedarf

Die Kritik der Stadtregierung geht nach Ansicht von Das Neue Innsbruck ins Leere. Ein Blick in den Projektbericht zeigt vielmehr, dass im Zuge der Planung sogar zusätzlicher Verwaltungsbedarf berücksichtigt wurde. Dort wird ausdrücklich festgehalten, dass aufgrund des gestiegenen Personalstandes der ISD die Verwaltungsflächen innerhalb des Neubaus erweitert beziehungsweise angepasst wurden. Gleichzeitig werden für den Bereich „Büro und Verwaltung ISD“ Errichtungskosten von rund 1,66 Millionen Euro beziehungsweise rund 1,71 Millionen Euro inklusive Valorisierung ausgewiesen. Auch die Tiroler Tageszeitung griff diese Diskussion auf. Während Bürgermeister Johannes Anzengruber die Kritik der Opposition sinngemäß als den Versuch bezeichnete, noch etwas Negatives am Projekt zu finden, bestätigte die ISD gegenüber der Tiroler Tageszeitung gleichzeitig, dass im Pechegarten Verwaltungsflächen für die Kinderzentren geschaffen werden sollen. Hier kann sich wohl jeder selbst ein Bild machen.

„Kinderbetreuung, sozialpädagogische Wohngruppen und Wohnangebote gehören selbstverständlich wieder in den Pechegarten. Gute Sozialpolitik bedeutet aber auch, möglichst viel Geld dort einzusetzen, wo es den Menschen unmittelbar zugutekommt – und nicht in zusätzliche Verwaltungsstandorte. Ob allgemeine Verwaltungsflächen um rund 1,7 Millionen Euro tatsächlich an diesem Standort entstehen müssen oder besser in einem zentralen Haus der Beteiligungen untergebracht wären, hätte jedenfalls eine sachliche politische Diskussion verdient. Transparenz und Diskussionen passen aber so gar nicht in den Methodenkoffer dieser Stadtregierung.“, schließt Stoll.

Redebeitrag im Gemeinderat:

Beitrage in der Tiroler Tageszeitung: