Nicht zum ersten Mal sorgt der Umgang von Bürgermeister Johannes Anzengruber mit kritischen Berichten und unangenehmen Themen für Diskussionen. Bereits im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf von 174 IIG-Wohnungen und Gewerbeeinheiten stellte der Bürgermeister im Gemeinderat vom 26. Februar 2026 zentrale Inhalte eines Berichts der Tiroler Tageszeitung infrage. Wir haben darüber berichtet. Im Sondergemeinderat zum Wohnungsverkauf im Jänner wurde den Gemeinderätinnen und Gemeinderäten die Übermittlung des Bewertungsgutachtens bis Ende Jänner zugesagt. Bis heute liegt dieses Gutachten jedoch nicht vor.
Erst kürzlich erschien ein weiterer ausführlicher Bericht der Tiroler Tageszeitung, der sich unter Bezugnahme auf das weiterhin ausständige Gutachten mit dem geplanten Wohnungsdeal beschäftigte. Daraufhin brachte die FPÖ einen dringenden Antrag ein, um eine Diskussion über die Vorlage des Gutachtens zu erzwingen. Doch statt endlich Transparenz zu schaffen, wurden im Gemeinderat erneut zentrale Inhalte des TT-Berichts infrage gestellt. Konkret ging es dabei unter anderem um die im Gutachten genannten Kaufpreisdimensionen für die Wohnungen. Anstatt das Gutachten vorzulegen und damit Klarheit zu schaffen, verweist der Bürgermeister nun auf eine notwendige Prüfung durch die Eigentümerin. Dabei handelt es sich mit der IIG um ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der Stadt Innsbruck. Das wiederholte Muster, Medienberichte als falsch darzustellen, erinnert dabei mittlerweile stellenweise eher an den politischen Stil des amerikanischen Präsidenten als an ein normales Verhalten eines österreichischen Bürgermeisters auf kommunaler Ebene.
„Es ist schon bemerkenswert, wie in dieser Stadtregierung mittlerweile mit unangenehmen Themen umgegangen wird. Anstatt offene Fragen transparent aufzuklären, werden kritische Berichte oder darin enthaltene Zahlen sofort bestritten. So entsteht zunehmend der Eindruck, dass man unangenehme Diskussionen lieber vermeiden als sachlich führen möchte. Dieses Verhalten erinnert eher an einen amerikanischen Politiker“, kritisiert GR MMst. Franz Jirka.
Kritik am politischen Stil
Aus Sicht von Das Neue Innsbruck zieht sich ein bestimmter politischer Stil mittlerweile durch zahlreiche Themenbereiche. Kritische Fragen würden zunehmend als störend empfunden, anstatt sie als selbstverständlichen Bestandteil demokratischer Kontrolle zu akzeptieren.
„Es kann nicht die Aufgabe der Opposition sein, nur jene Fragen zu stellen, die für die Stadtregierung angenehm sind. Demokratie lebt von Transparenz, Kontrolle und einer offenen Debatte – gerade auch bei sensiblen Themen rund um öffentliches Eigentum und Millionenbeträge. Wer Vertrauen schaffen will, muss vollständige Aufklärung ermöglichen und darf sich nicht hinter Ausreden verstecken“, so Jirka.
Opposition wird weiter genau hinschauen
„Im Gemeinderat war zuletzt sogar Kritik an der angeblich unangenehmen Themenwahl der Opposition zu hören. Offenbar wünschen sich manche eher eine politische Wellnesseinheit als eine kritische Diskussion. Genau dafür wurden wir aber nicht gewählt. Unsere Aufgabe ist es, dort nachzufragen, wo Transparenz fehlt, Widersprüche auftreten oder Entscheidungen nicht nachvollziehbar erklärt werden. Unsere Aufgabe ist es nicht, unangenehme Themen zu vermeiden, sondern sie aufzuklären“, betont Jirka abschließend.
Video aus dem Gemeinderat
Hier die Nicht-Antwort des Bürgermeisters auf die Frage, wann mit dem für Ende Jänner versprochenen Gutachten nun zu rechnen ist. Zu sehen auch die Darstellung, dass die TT in ihrem Beitrag laut Ansicht des Bürgermeisters falsche Zahlen aus dem Gutachten – das dem Gemeinderat immer noch vorenthalten wird – zitiert hätte.