Bei Bildungsgesellschaft Innsbruck heißt es weiter: Bitte warten. Während Graz handelt, verharrt Innsbruck im endlosen Prüfmodus

Graz zeigt vor, was Innsbruck seit Jahren nicht zustande bringt: eine funktionierende, gebündelte und professionelle Organisation der schulischen Tagesbetreuung. Während in der steirischen Landeshauptstadt mit der „Städtischen Tagesbetreuung Graz GmbH“ rund 6.000 Kinder an 50 Pflichtschulen betreut werden, verzögert sich in Innsbruck weiterhin die längst überfällige Gründung einer städtischen Bildungsgesellschaft.

„Man muss das Rad nicht neu erfinden – man muss nur hinschauen, wo es bereits funktioniert. Und selbst wenn es wo nicht perfekt läuft, kann man daraus lernen. In Graz hat die Stadt selbst die Hand drauf und sorgt für klare Strukturen. Genau das fehlt in Innsbruck seit Jahren“, so Klubobfrau Dr.in Birgit Winkel.

Stillstand statt Fortschritt

Anstatt zentrale Aufgaben wie Schulassistenz und Freizeitpädagogik endlich zu bündeln, zu professionalisieren und langfristig abzusichern, wird in Innsbruck weiter geprüft, diskutiert und zugewartet.

„Dieser Stillstand hat konkrete Folgen. Durch dieses permanente Zaudern gehen Zeit und Geld verloren – und das alles zulasten der Betreuung unserer Kinder. Schulassistentinnen und Freizeitpädagogen sind kein Nice-to-have, sondern wesentlich für eine lebenswerte Stadt“, ist Klubobfrau-Stv.in Mag.a Christine Oppitz-Plörer überzeugt.

Austausch gefordert – Antworten bleiben dürftig

In der vergangenen Sitzung des Ausschusses für Bildung, Gesellschaft und Diversität hat Winkel bei der zuständigen Vizebürgermeisterin Elli Mayr nachgehakt, ob ein Austausch mit Graz stattfindet und ob das dortige Modell als Vorbild herangezogen wird. Die Antwort fiel knapp aus.

„Offenbar gibt es Kontakte – aber mehr als ein knapper Satz war dazu nicht zu hören. Das ist bezeichnend für den Umgang mit diesem wichtigen Thema und zeigt das mangelnde Interesse an der Gründung einer Bildungsgesellschaft. Oder der Bürgermeister hat es seiner Vizebürgermeisterin bereits untersagt, in diese Richtung zu gehen. Beides wäre ein neuerliches Armutszeugnis für die Stadtregierung“, kritisiert Winkel.

Das Neue Innsbruck schlägt direkten Austausch vor

Um Bewegung in die Sache zu bringen, hat sie einen konkreten Vorschlag eingebracht: einen direkten Austausch mit den Verantwortlichen aus Graz – politisch wie organisatorisch.

„Ich habe im Ausschuss einen konkreten Vorschlag eingebracht, einen direkten Austausch mit den Verantwortlichen aus Verwaltung und Politik zu organisieren. Ein solcher Austausch ist heute problemlos auch digital möglich.“, so Winkel. „Innsbruck sollte die Chance nutzen, von funktionierenden Modellen, aber auch von den Herausforderungen anderer zu lernen. Die Stadtregierung sollte, statt sich täglich mit ihren eigenen mitarbeiterintensiven Social-Media-Accounts zu beschäftigen, wohl besser um die Zukunft der Kinder unserer Stadt kümmern“, findet Oppitz-Plörer klare Worte.

Blick nach Graz zeigt Potenzial

„Der Blick nach Graz zeigt klar, was möglich wäre – wenn man es politisch auch will. Innsbruck darf hier nicht länger hinterherhinken. Es geht um die Qualität der Betreuung und damit um die Zukunft unserer Kinder – und genau dort hat Stillstand nichts verloren“, schließen Winkel und Oppitz-Plörer unisono.