Der Pflegepersonalmangel zählt zu den größten sozialen Herausforderungen in Innsbruck. Die von der Stadtregierung angekündigte Rekrutierung vietnamesischer Pflegekräfte wurde als wichtiger Schritt präsentiert. Doch bis heute ist unklar, wie wirksam diese Initiative tatsächlich ist und welchen konkreten Beitrag sie zur Entlastung im Pflegebereich leistet. Zudem bleiben Zweifel, inwieweit damit die strukturellen Probleme in der Pflege gelöst werden können.
„Gerade bei einem so sensiblen Bereich wie der Pflege braucht es volle Transparenz. Die Menschen in Innsbruck haben ein Recht darauf zu wissen, was aus groß angekündigten Projekten geworden ist und welchen konkreten Nutzen sie bringen“, betont Klubobfrau-Stellvertreterin GRin Mag.a Christine Oppitz-Plörer.
Viele offene Fragen zum tatsächlichen Stand
Unklar ist unter anderem, wie viele Pflegekräfte tatsächlich bereits in Innsbruck tätig sind, wie viele sich im Anerkennungsprozess befinden und bei welchen Einrichtungen sie arbeiten. Ebenso stellen sich Fragen zu Kosten, Deutschkenntnissen, Unterstützungsleistungen und zur Wohnraumsituation.
„Internationale Rekrutierung kann kurzfristig ein Baustein sein, um Engpässe zu lindern. Sie darf aber kein PR-Projekt bleiben, sondern muss ehrlich evaluiert werden. Entscheidend ist, ob tatsächlich mehr Pflegekräfte im System ankommen und auch langfristig bleiben. Gleichzeitig dürfen wir die ethische Dimension nicht ausblenden: Diese Fachkräfte fehlen dann in ihren Herkunftsländern. Deshalb sehe ich diese Form der Abwerbung sehr kritisch und als eine Form von Kolonialismus. Die strukturellen Probleme im Pflegebereich werden so jedenfalls nicht dauerhaft behoben werden können“, so Oppitz-Plörer.
Anfrage im Gemeinderat angekündigt
Für Oppitz-Plörer ist klar: „Wir brauchen hier belastbare Zahlen und eine ehrliche Evaluierung. Nur so kann beurteilt werden, ob dieser Weg tatsächlich hilft, den Pflegenotstand zu lindern. Wir werden deshalb im nächsten Gemeinderat eine Anfrage einbringen. Es geht um Transparenz, um Wirksamkeit – und letztlich um die bestmögliche Versorgung der Menschen in unserer Stadt.“