Der aktuelle Bericht des Bundesrechnungshofes zum Wohnungsleerstand in Innsbruck – die Tiroler Tageszeitung hat in der Ausgabe vom 19.05.2026 zuerst berichtet – sorgt für massive politische Diskussionen. Besonders alarmierend: In Innsbruck stehen mehr als 4.000 Wohnungen leer, gleichzeitig suchen viele Menschen dringend nach leistbarem Wohnraum. Für GRin Mag.a Christine Oppitz-Plörer und GR MMst. Franz Jirka ist der Bericht vor allem ein vernichtendes Zeugnis für die bisherige Wohnungspolitik unter dem früheren Bürgermeister und heutigen Wohnungsreferenten Vizebürgermeister Georg Willi.
„Seit Jahren wurde der Bevölkerung vermittelt, man gehe entschlossen gegen Leerstand vor. Immer wieder wurde angekündigt, jetzt werde endlich gehandelt, jetzt komme Bewegung in den Markt. Die Realität sieht leider völlig anders aus. Weder das Projekt ‚Sicheres Wohnen‘ noch die Leerstandsabgabe oder die Kontrollen gegen illegale Kurzzeitvermietung zeigen bislang die erhoffte Wirkung. Viele Maßnahmen wurden angekündigt, die Ergebnisse bleiben jedoch überschaubar. Das ist eine traurige Bilanz nach acht Jahren Regierungsverantwortung von Georg Willi in diesem zentralen Zukunftsthema“, so das Mitglied des städtischen Sozial- und Wohnungsausschusses, GRin Mag.a Christine Oppitz-Plörer.
Willis Ziele wurden bei Weitem verfehlt
„Zwischen 2018 und 2023 wurden laut Berichten insgesamt 1.754 Wohnungen errichtet. Selbst wenn man eine vergleichsweise kurze Vorlaufzeit von drei Jahren für Projekte berücksichtigt, würden rechnerisch wohl nur rund 700 Wohnungen tatsächlich in die politische Verantwortung von Georg Willi fallen – vermutlich sogar weniger. Das im Arbeitsübereinkommen 2018 – 2024 gesetzte Ziel von 3.000 geförderten Wohnungen inklusive gefördertem studentischen Wohnen wurde bei Weitem verfehlt“, bilanziert GR MMst. Franz Jirka.
Stadt belegt ihre eigenen Wohnungen nicht
Besonders schwer wiegt für Jirka dabei ein Detail aus dem Bericht des Bundesrechnungshofes: Selbst bei 531 Stadtwohnungen gibt es keine Hauptwohnsitzmeldung.
„Wenn es die Stadt längerfristig nicht schafft, die eigenen Wohnungen ordnungsgemäß zu nutzen und mit Hauptwohnsitzen zu befüllen, wie glaubwürdig will man dann privaten Eigentümerinnen und Eigentümern wie in Amras rechtliche Vorschriften machen oder Druck aufbauen? Zusätzlich wurde der Personalstand im Wohnungsamt verdoppelt und es gibt trotzdem so viel Leerstand? Genau das ist die eigentliche Blamage dieses Berichts und letztlich ein Selbsteingeständnis des Scheiterns der bisherigen Politik“, so Jirka.
Wohnen zur Chefsache machen
Kritisch sehen die beiden Mandatare, dass mittlerweile bereits das erste Drittel der Amtszeit der neuen Stadtregierung vorbei sei, ohne dass im Wohnbereich nennenswerte Verbesserungen sichtbar geworden wären.
„Es braucht deutlich mehr Tempo und wesentlich höheren politischen Druck. Ein Weiter-wie-bisher wird nicht funktionieren. Wir denken daher, dass es längst an der Zeit wäre, wenn Bürgermeister Johannes Anzengruber das Thema Wohnen zur Chefsache macht. Denn auch seine Stadtregierung wird sich am Ende an konkreten Ergebnissen messen lassen müssen“, schließen Oppitz-Plörer und Jirka unisono.